Inmitten der wilden Natur der schottischen Highlands befindet sich Schloss Balmoral – seit Generationen ein zentraler Rückzugsort der britischen Königsfamilie. Bereits seit Langem dient es als royale Sommerresidenz, die abseits des Medientrubels Ruhe und Privatsphäre bietet. Heute befindet sich das Schloss im persönlichen Besitz von König Charles III., der exklusive Einblicke in die privaten Räumlichkeiten der Windsors gewährt.
Begleiten Sie uns hier auf einen virtuellen Rundgang durch einen der Lieblingsorte der britischen Royals, erfahren Sie mehr über die spannende Geschichte von Balmoral – und was es in den historischen Räumlichkeiten zu sehen gibt ...
Geldbeträge wurden von Pfund in Euro umgerechnet.
Adaptiert von Barbara Geier
Im Sommer 2024 konnten auf Schloss Balmoral erstmals seit seiner Fertigstellung im Jahr 1856 die privaten Wohnräume der Royals besichtigt werden. Zuvor hatten zahlende Gäste nur Zugang zum Ballsaal des Anwesens gehabt.
Die Nachfrage für den Zeitraum vom 1. Juli bis 4. August war so groß, dass die Tickets in weniger als 24 Stunden vergriffen waren. Mit den auf 40 Besucher pro Tag limitierten Eintrittskarten generierte König Charles mindestens rund 165.000 Euro täglich für die königlichen Kassen.
Die Balmoral-Touren erfreuten sich auch im Sommer 2025 wieder großer Beliebtheit – allerdings zu einem stolzen Preis: Ein Ticket kostete umgerechnet rund 130 Euro (110 Pfund), mit optionalem klassisch-britischen „Afternoon Tea“ sogar etwa 200 Euro (170 Pfund).
Die geführten Touren nehmen Gäste mit auf eine historische Reise durch die privaten Räume der Königsfamilie – ein Traum für alle Royal-Fans. Kein Wunder also, dass die Tickets heiß begehrt und auch wieder schnell vergriffen waren.
Auf der Tour dürfen Gäste sogar den Salon besichtigen, in dem die im September 2022 auf Balmoral verstorbene Königin Elizabeth II. zuletzt fotografiert wurde (Bild). Auch zwei Speisesäle, die Lobby, in der sich die Pagen aufhalten, und der sogenannte rote Korridor gehören zur Führung. Zutritt haben allerdings nur Erwachsene – offenbar soll die seltene und teure Einrichtung vor patschigen Kinderhänden geschützt werden.
Schloss Balmoral soll der Lieblingsort der Queen gewesen sein. Schon als kleines Kind kam Queen Elizabeth II. gerne zum Schloss in der schottischen Region Aberdeenshire. Dort fühlte sie sich wohl und verbrachte als junge Mutter und später als Großmutter und Urgroßmutter viele schöne Stunden.
Hier ist die Queen im September 1972 zu sehen, links von ihr Sohn Andrew.
Balmoral ist auch der Ort, an dem die Monarchin im September 2022 verstarb, mit ihren beiden ältesten Kindern Charles und Anne an ihrer Seite.
Werfen wir einen Blick zurück auf die Geschichte des Lieblingsschlosses der Queen …
Die Geschichte des Schlosses begann lange vor der heutigen königlichen Familie, denn es wurde bereits 1390 als königliches Jagdschloss erbaut. 1852 erwarb der deutschstämmige Prinz Albert das Anwesen für seine Frau Königin Victoria. Kostenpunkt damals: 32.000 Pfund. Das entspricht nach heutigem Geldwert umgerechnet rund 4,5 Millionen Euro.
Seitdem ist Balmoral der schottische Wohnsitz der königlichen Familie, der in seiner heutigen Gestalt maßgeblich von Königin Victoria und Prinz Albert geprägt wurde. Die beiden fanden das bestehende Haus zu klein und ließen sich von Architekt William Smith ein größeres Schloss entwerfen, das 1856 fertiggestellt wurde. Prinz Albert war mit seinen Vorschlägen sogar höchstpersönlich am Umbau beteiligt, um das Anwesen an royale Standards anzupassen.
Genau wie später ihre Ur-Ur-Enkelin Elizabeth hatte Victoria ein besonderes Faible für Balmoral. Die Monarchin, die bereits als 18-Jährige den Thron bestiegen hatte, unternahm angeblich lange Spaziergänge auf dem Gelände und skizzierte die malerische Landschaft.
Auf diesem Bild von 1868 ist sie mit fünf ihrer neun Kinder zu sehen, darunter der spätere König Edward VII.
In ihrem Tagebuch hielt Victoria fest, was ihr Leben auf Balmoral ausmachte: anregende Spaziergänge, die Landschaft, die „guten, einfachen Menschen“ und die Jagd.
Auf diesem Bild von 1868 ist sie mit ihrem Diener John Brown zu sehen, den man heute wahrscheinlich einen persönlichen Assistenten nennen würde. Der Schotte war 34 Jahre lang – auch als guter Freund – an der Seite der Königin, die mit nur 42 Jahren Witwe wurde.
Nach dem Tod von Königin Victoria im Jahr 1901 ging Balmoral an ihren Sohn König Edward VII. und dann an dessen Sohn Georg V. über, der hier im Jahr 1927 mit seiner kleinen Enkelin, Prinzessin Elizabeth, im Kinderwagen auf Balmoral zu sehen ist.
Nach Georges Tod erbte Georg VI. (ganz links), der Vater von Königin Elizabeth II., das Schloss. Für alle königlichen Besitzer war das schottische Anwesen ein wichtiges privates Zuhause für ihre Familien, in dem sie sich vom offiziellen Leben zurückziehen und entspannen konnten.
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Queen Elizabeth II. kam seit frühen Kindheitstagen mit ihren Eltern und ihrer Schwester Prinzessin Margaret regelmäßig nach Balmoral. Hier ist die ganze Familie während einer ihrer jährlichen Balmoral-Sommerurlaube zu sehen – eine Tradition, die Elizabeth mit ihrer eigenen Familie fortsetzte.
Auf Königin Elizabeth II. folgte ihr Sohn Charles III. als neuer Balmoral-Eigentümer, der hier 2021 mit seiner Mutter beim Pflanzen eines Baumes auf dem Schlossgelände zu sehen ist.
Der Monarch hat neben Schloss Balmoral ein separates privates Urlaubsdomizil namens Birkhall auf dem Gelände. König Charles und Königin Camilla verbrachten ihre Flitterwochen dort und haben seither fast alle ihre Hochzeitsjubiläen dort gefeiert.
Heute ist das unter Denkmalschutz stehende Schloss ein schönes Beispiel für einen historischen Architekturstil, der sich im 19. Jahrhundert in Schottland entwickelte und als „Scottish Baronial“ bekannt ist. Schon vor der Exklusivtour in die Privaträume konnte die Öffentlichkeit jedes Jahr von April bis August im Garten umherschlendern und den Ballsaal besichtigen.
Anders als der Buckingham-Palast und Schloss Windsor gehört Balmoral nicht zum Crown Estate – also dem Krongut im Besitz der britischen Krone, das von einer unabhängigen Organisation verwaltet wird, sondern ist im persönlichen Besitz von König Charles III.
Das Schlossgelände mit seinen schönen Gärten ist eingebettet in die herrliche schottische Hochland-Landschaft, mit besten Ausblicken auf die Wälder und Täler in der Umgebung.
Zum Anwesen gehören auch 150 Gebäude, darunter das bereits erwähnte Ferienhaus des Königs, Birkhall, und diverse Cottages.
Mit zunehmendem Alter verbrachte Queen Elizabeth ihre Zeit lieber in der Craigowan Lodge – einem Cottage auf dem Anwesen. Besonders gern hielt sie sich dort auf, wenn das Schloss für Besucher geöffnet war.
Laut des „Scottish Daily Express“ wurde in dem Haus mit sieben Schlafzimmern im Juli 2022 ein neues Hightech-Sicherheitssystem installiert sowie ein Lift für die Mobilitätsprobleme, unter denen die Queen in ihren letzten Monaten gelitten hatte.
Craigowan Lodge ist bei weitem nicht das einzige Ferienhaus auf dem Anwesen. Glas Allt Shiel (Bild) wurde in seiner heutigen Form von Königin Victoria erbaut, die dort nach dem Tod ihres Mannes manchmal Zuflucht suchte.
Um Einnahmen für den Unterhalt des Schlosses zu generieren, vermietet der König viele der malerischen Häuschen in verschiedenen Größen an Urlauber. Zur Auswahl stehen beispielsweise das kleine Tigh na Garaidh Cottage für vier Personen oder Garbh Allt Shiel und Connachat Cottage, die jeweils bis zu acht Personen Platz bieten.
Wie es sich in Großbritannien gehört, glänzt Balmoral auch mit perfekt angelegten Gärten. Zu den 1,2 Hektar großen Grünflächen gehören eine Reihe von kunstvollen viktorianischen Gewächshäusern und ein Wintergarten. Neben dem Hauptgarten gibt es noch einen friedlichen Wassergarten.
Die Gärten wurden von Prinz Albert angelegt und im Laufe der Jahre von verschiedenen Royals verschönert. Prinz Philip ist ein Küchengarten mit einem Gemüsebeet zu verdanken, das während des Sommerurlaubs der königlichen Familie geerntet wird. König Charles III. hat Erweiterungen angekündigt, darunter neugestaltete Landschaftselemente, Formschnitthecken und zwei Labyrinthe.
Das Land rund um das Schloss wird in erster Linie für die Pirsch, die Jagd auf Moorhühner sowie die Forst- und Landwirtschaft genutzt. Königin Elizabeth II. und Prinz Philip sind hier 1972 mit einem Teil ihres Viehbestands zu sehen.
Balmoral steht für einen deutlich ländlicheren Lebensstil als andere königliche Anwesen – etwa Schloss Windsor, das in den späteren Jahren zur offiziellen Residenz der Queen wurde.
Die Queen genoss bei ihren Balmoral-Aufenthalten das Gefühl von Freiheit. Zum Programm gehörten nach dem morgendlichen Weckruf mit Dudelsäcken um neun Uhr vor allem Ausritte, Spaziergänge mit ihren Hunden über die Moore und Fahrten über das Gelände in ihrem geliebten Range Rover.
Die aktuelle Generation der Royals hat angeblich besonders viel Freude am Angeln, Jagen und Grillen. Prinz George, der 2013 geborene, älteste Sohn von Prinz William und Prinzessin Kate, soll als Zuschauer bereits an seiner ersten Moorhuhnjagd auf Balmoral teilgenommen haben.
Auch Picknicks sind angeblich ein besonders beliebter Zeitvertreib auf Balmoral. Laut einer Königshausexpertin veranstaltet die Familie in einer der Holzhütten, die einst für Königin Victoria errichtet wurden, Picknick-Dinner bei Kerzenschein. Essen und Trinken werden demnach in einer speziell von Prinz Philip entworfenen Picknickbox transportiert.
Als Nächstes werfen wir einen Blick ins Innere des Schlosses ...
In der Bibliothek von Balmoral werden Würdenträger zu Privataudienzen in entspannter Umgebung empfangen. Auf diesem Bild ist die Königin 1976 an ihrem Schreibtisch zu sehen, an dem sie ihre Arbeit verrichtete.
Es wird geschätzt, dass die Bibliothek etwa 50.000 Bücher und Manuskripte enthält, die von den britischen Monarchen im Laufe der Jahrhunderte gesammelt wurden.
Dieses Bild von 2017 zeigt, dass auch königliche Räume wie die Bibliothek im Schloss Balmoral mit denselben Utensilien ausgestattet sind wie ganz normale britische Wohnzimmer: Wir sehen einen kleinen Elektroheizlüfter für kalte Abende und einen Samsung-Fernseher mit Sky-Box, damit die Royals auch im Urlaub ihre Lieblingsprogramme sehen können.
Auf diesem Foto von 2022 ist zu sehen, dass die Sessel in der Bibliothek ausgetauscht wurden. Im Wesentlichen ist der Raum aber gleich geblieben.
Überhaupt scheint sich in den königlichen Gemächern nicht viel zu ändern: Angeblich stehen einige der Bücher seit mehr als 40 Jahren an derselben Stelle in den Regalen.
Ebenso wie die Bibliothek hat auch der Salon, in dem offizielle Gäste empfangen werden, im Laufe der Jahre seinen Look behalten.
Auf diesem Bild von 1976 sitzen Königin Elizabeth II. und Prinz Philip unter einem Gemälde von Königin Victoria mit ihrem engen Freund und Vertrauten, John Brown, das heute noch an dieser Wand einen Ehrenplatz hat.
Dieses Foto von 2005 zeigt, wie Königin Elizabeth II. während ihrer Amtszeit die ursprüngliche Einrichtung des Raums bewahrt hat. Die Zweisitzer-Sofas sind alle mit demselben grünen Stoff bezogen. Auch der Stuhlbezug mit Farnmuster und die Tapete blieben unangetastet.
Im Gegensatz zu anderen Räumen des Schlosses, die mit Teppichen im offiziellen Schottenkaro-Muster der königlichen Familie ausgestattet sind, ist dieser Raum schlichter gehalten.
Fast zehn Jahre später (Bild von 2014) hatte sich das Aussehen des Raums kaum verändert. Hier empfängt die Königin den damaligen Generalgouverneur von Australien.
Die weißen Kerzenhalter auf dem Kaminsims stammen aus der Regierungszeit von Königin Victoria Mitte des 19. Jahrhunderts. Die hier nicht zu sehende Innenseite des Kamins ist mit der Nationalblume Schottlands, der Distel, verziert.
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Besucher während der exklusiven Balmoral-Tour im Sommer eines der königlichen Schlafzimmer zu sehen bekommen. Dieses Foto bietet aber zumindest einen Einblick in den privatesten Raum eines jeden Hauses.
Das Bild von Königin Victorias Schlafzimmer wurde in den früher 1860er-Jahren aufgenommen, nach dem Tod von Prinz Albert im Jahr 1861. Man beachte das Porträt des Verstorbenen am Kopfende des Bettes, vermutlich damit die verwitwete Königin weiterhin neben ihrem geliebten Mann schlafen konnte.
Von Edinburgh dauert es per Zug nach Pitlochry oder Aberdeen bis zu zweieinhalb Stunden. Von dort ist eine Taxifahrt die einzige Möglichkeit, das abgelegene Schloss zu erreichen, außer natürlich, man ist von Anfang an mit dem Auto unterwegs.
Die königliche Familie reist natürlich nicht wie die anderen, sondern meist mit einem gecharterten Privatflugzeug, per Hubschrauber oder mit dem Regierungsflieger RAF Voyager „Vespina“, der auch Mitglieder der königlichen Familie transportiert.
Der hier zu sehende kleine Jet beförderte Queen Elizabeth II. bei einem ihrer Besuche in Schottland im Jahr 2001.
Die abgeschiedene Lage ist wahrscheinlich kein unwichtiger Grund für die anhaltende Beliebtheit des schottischen Anwesens bei allen Royals. Die Tradition, dass die Familie den amtierenden Monarchen während der Sommeraufenthalte besucht, wird bis heute fortgeführt. Auch wichtige Familienfeste werden immer noch in den schottischen Highlands gefeiert.
Lange ist es her, aber Prinzessin Diana und der damalige Prinz Charles verbrachten 1981 sogar einen Teil ihrer Flitterwochen auf Balmoral (Bild) – und wohnten im rustikalen Steinhaus Craigowan Lodge. In genau diesem Cottage zog sich auch Queen Elizabeth in ihren letzten Lebensjahren regelmäßig zurück.
Die letzten Fotos von Queen Elizabeth II. im Salon von Schloss Balmoral einige Tage vor ihrem Tod gingen um die Welt. Trotz der offensichtlichen Gebrechlichkeit wirkte sie wach und fröhlich.
Die Königin, die am 8. September 2022 auf Schloss Balmoral starb, war die dienstälteste britische Monarchin und erfüllte bis zuletzt ihre offiziellen Pflichten. Hier empfängt sie Liz Truss, die zu dem Zeitpunkt (kurzzeitig) Premierministerin war.
Laut Aussage ihrer Enkelin Prinzessin Eugenie war die Queen am glücklichsten auf Schloss Balmoral, „dem schönsten Ort der Welt“. Dieses Bild mit Prinz Philip aus dem Jahr ihrer Silberhochzeit 1972 unterstreicht diese Worte.
Mit der Öffnung der königlichen Privaträume für Besucher haben seit vergangenem Jahr nun auch Royal-Fans die Möglichkeit, jenen Ort zu erkunden, den die Royals so sehr lieben.
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