Darum rebellierte dieser Fischer gegen Donald Trump
Der Mann, der Trump eins auswischte
Die politischen und rechtlichen Streitereien von Donald Trump schaffen es immer wieder in die Schlagzeilen. Doch der ehemalige US-Präsident sorgte schon vor seiner Zeit im Weißen Haus für Aufruhr – als Chef eines Unternehmens für Luxusimmobilien. Auf besonders großen Widerstand traf Trump, der sich selbst gerne als ultimativen Geschäftemacher bezeichnet, beim Bau einer seiner Golfplätze in Schottland, den er vor Kurzem erneut besuchte. Wie massiv sich ein rebellischer Fischer gegen den Immobilienmagnaten wehrte, das erfahren Sie hier ...
Trump und der Golfplatz in Schottland
Angesichts der zunehmenden juristischen Probleme in seiner Heimat dürfte Trump froh gewesen sein, den USA für ein paar Tage zu entkommen. Im Mai 2023 flog der ehemalige US-Präsident in Begleitung seines Sohnes Eric mit seiner "Trump Force One" nach Aberdeen in Schottland, um ein neues Projekt auf seinem Golfclub einzuweihen – einen zweiten Golfplatz.
Am Flughafen wurden Trump und sein Gefolge von zwei Dudelsackspielern und einer Autokolonne empfangen, auch der rote Teppich lag bereit. Beim Betreten des schottischen Bodens sagte Trump zu Reportern: „Es ist großartig, zu Hause zu sein – dies war die Heimat meiner Mutter.“
Ein Golfplatz erhitzt die Gemüter
Trumps neuestes Projekt in seinem Club in der Ortschaft Balmedie in Aberdeenshire ist seiner verstorbenen Mutter Mary Ann MacLeod gewidmet, die auf der Insel Lewis auf den schottischen Hebriden geboren und aufgewachsen ist. Der Ex-US-Präsident zerschnitt bei der Eröffnungsfeier im Mai das rote Band auf der Baustelle des Golfplatzes. Trump setzt große Hoffnungen in die neue Anlage: „Wir werden einen Platz bauen, auf dem in Zukunft viele große Meisterschaften ausgetragen werden können.“
Auch wenn Schottland dem ehemaligen US-Präsidenten offenbar ans Herz gewachsen ist, haben seine Projekte dort in der Vergangenheit oft den Zorn der Einheimischen auf sich gezogen. Besonders sein Golfclub in Aberdeenshire erhitzte die Gemüter – werfen wir also einen Blick zurück...
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Trumps Golfplatzimperium
Dass Donald Trump ein absoluter Golffanatiker ist, ist gründlich dokumentiert. 298 Mal wurde er während seiner vierjährigen Präsidentschaft von der Presse beim Golfspielen beobachtet. Quer durch die USA besitzt der Immobilienmogul seine eigenen Golfplätze, die als exklusive Privatklubs unter dem Markennamen Trump Golf um wohlhabende Mitglieder werben, von New York und New Jersey über Florida, Virginia und North Carolina bis Kalifornien. Und auch aufs Ausland hat Trump sein Golfimperium ausgeweitet, etwa auf Dubai, Bali, Irland und Schottland. Der Golfclub in Schottland war Trump wegen der Herkunft seiner Mutter besonders wichtig.
Das Problem mit dem schottischen Golfplatz
2006 kaufte Trump nördlich von Aberdeen im Nordosten Schottlands ein 570 Hektar großes Stück Land am Meer, aus dem er den „besten Golfplatz der Welt“ machen wollte. Allerdings handelte es sich dabei um ein Naturschutzgebiet mit einzigartigen Feuchtgebieten und einer besonderen Tier- und Pflanzenwelt. Die Wanderdünen am Strand von Balmedie, wo Trump sein Projekt plante, zählten zu den fünftgrößten in Großbritannien. 2010 rückten schließlich die Bagger an – Umweltschützer waren entsetzt und sahen das 4.000 Jahre alte Wunder der Natur bedroht. Und auch die Anwohner waren äußerst wütend...
Der rebellische Fischer
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Das bittere Urteil
Im November 2007 lehnte die zuständige schottische Gemeinde Trumps umstrittenes Bauprojekt ab, nachdem zahlreiche Anwohner und Umweltaktivisten auf die Barrikaden gegangen waren. Doch 2008 kippte die schottische Regierung die Entscheidung und genehmigte den Golfplatz mit der Begründung, dass der wirtschaftliche Nutzen überwiege und der Golfplatz Tausende Arbeitsplätze in der Region schaffe.
Der Spatenstich
Nach der Kehrtwende begann 2009 der Bau von Trumps Prestigeobjekt. Fischer Forbes soll angeblich eine Entschädigung von 540.000 US-Dollar (494.000 Euro) und ein Job auf dem Golfplatz mit einem Jahresgehalt von 60.000 US-Dollar (55.000 Euro) angeboten worden sein. Doch er lehnte ab. „Ich werde niemals an diesen großmäuligen Tyrann verkaufen“, sagte er der britischen Zeitung „Guardian“. Verärgert über Forbes Weigerung zu verkaufen, bezeichnete Trump den Schotten als „eine Schande“, der „wie ein Schwein“ in einem Slum wohne. Der Streit ist in dem Dokumentarfilm „You‘ve Been Trumped“ (2011) zu sehen.
Der Streit Forbes gegen Trump
Der Doku zufolge gingen Trumps Mitarbeiter sogar so weit, dem Fischer ein Boot wegzunehmen und im Jahr 2010 Teile seines Grundstücks abzuzäunen. Die Einschüchterungsversuche scheiterten allerdings und Forbes blieb standhaft. Heute wird seine Farm komplett von Trumps Golfanlage umschlossen. In einer Fortsetzung des Dokumentarfilms von 2016 wirft Forbes Trump vor, durch den Bau von seinem Brunnen und der Trinkwasserversorgung abgeschnitten worden zu sein. Trumps Unternehmen Trump International bestreitet dies jedoch vehement.
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"Lasst mich einfach in Ruhe"
Im Jahr 2022, mehr als zehn Jahre nach seiner Auseinandersetzung mit Trump, gab Michael Forbes in einem Interview mit dem schottischen Nachrichtenportal "Aberdeen Live" weitere Details über den Streit bekannt. Von seinem Treffen mit dem ehemalige US-Präsidenten war der Schotte alles andere als begeistert. Trump habe nur über Geld geredet: "Ich bereue bis heute, dass ich ihm nicht in den A*** getreten habe." Er wolle einfach nur in Ruhe gelassen werden.
Die Sache mit den Lachsen
Forbes sagte in dem Interview: "[Trump] konnte mir nichts anhaben, weil mir das ganze Land um mich herum gehört." Doch der Ex-Präsident ließ Forbes Zugang zum Strand sperren, an dem der passionierte Fischer immer nach Lachsen angelte. "Das war die einzige Möglichkeit, mir eins auszuwischen. Aber dann verbot die Regierung das Lachsangeln sowieso."
Der schmutzige Kampf um den Brunnen
Auch zu den Vorwürfen, Trumps Organization habe ihn von der Wasserversorgung abgeschnitten, äußerte sich Forbes erneut. Beim Bau einer Straße in der Nähe seines Brunnens sei ein Rohr beschädigt worden, das nie ersetzt worden sei. "Fünf Jahre lang hatte ich kein Wasser", so Forbes.
Er beschrieb, wie seine Mutter, die damals 86 Jahre alt war, Wasser aus einem nahegelegenen Bach zum Waschen verwenden musste. Irgendwann reichte es Forbes: "Eines Tages war der Brunnen schwarz. Ich fuhr mit meinem Minibagger los, riss die Straße auf, reparierte das Rohr und verschloss die Straße wieder." Zwei Sicherheitsleute hätten ihn dabei gefilmt, aber seitdem habe es keine Probleme mehr mit dem Wasser gegeben.
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Ein Fischer wird zur Legende
Trump schien letztendlich zu akzeptieren, dass Forbes nicht bereit war, kleinbeizugeben. Je weiter das Projekt voranschritt, desto weniger Angebote machte der Ex-US-Präsident dem Fischer: "Das letzte Angebot betrug 325.000 Pfund [368.000 Euro] für meine neun Hektar Land, das Haus, alles", so Forbes. Eine in den Augen des Schotten völlig unangebrachte Summe – nirgendwo in Aberdeen bekäme man für diesen Preis ein Haus.
Michael Forbes ist mittlerweile zu einer Art lokalen Legende geworden. Ein Porträt von ihm und seiner Frau Sheila ist in der National Gallery of Scotland in Edinburgh zu sehen. 2012 wurde der Schotte bei den "Glenfiddich Spirit of Scotland Awards" mit einem besonderen Preis ausgezeichnet.
Die feierliche Eröffnung
Trotz aller Widerstände wurde Trumps schottischer Golfplatz 2012 eröffnet. Der ursprüngliche Plan hatte ein 1,2 Milliarden US-Dollar (1,17 Mrd. Euro) teures Resort mit zwei Golfplätzen, einem Hotel und rund 1.000 Ferienhäusern vorgesehen. Berichten zufolge hat die Trump Organization bisher 125 Millionen US-Dollar (115 Mio. Euro) in der ersten Bauphase investiert, insgesamt wurden 936 Millionen US-Dollar (862 Mio. Euro) veranschlagt.
Hier abgebildet ist die MacLeod Lodge, die geradezu einem Märchenschloss ähnelt. Das Hauptgebäude der Anlage ist nach Trumps Mutter Mary Anne MacLeod benannt.
Die Luxuswohnungen
Schicke Ferienhäuser waren von Anfang an Teil von Trumps Plan für das Balmedie-Gelände. Das Golfresort sollte eine künstlich angelegte Siedlung von Luxusneubauten umfassen, das sogenannte Trump Estate. Der Kaufpreis der Ferienhäuser reicht von 368.000 US-Dollar (339.000 Euro) für ein Häuschen mit zwei Schlafzimmern bis zu 1,6 Millionen US-Dollar (1,47 Mio. Euro) für eine Villa mit fünf Schlafzimmern.
Im Februar 2022 wurde berichtet, dass eine grundsätzliche Genehmigung für den Bau von 550 Häusern auf dem Grundstück erteilt worden sei, darunter Wohneinheiten und Ferienhäuser sowie Geschäfte.
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Anhaltende Probleme
Der Widerstand der Anwohner ist aber nicht das einzige Problem für Trumps Golfanlage. 2011 wurde ein Einspruch von Trumps Unternehmen gegen den Bau eines neuen Offshore-Windparks in der Nähe des neuen Hotels und der Feriensiedlung abgewiesen. 2020 verloren die Wanderdünen von Balmedie ihren geschützten Status, da sie laut den Behörden durch den Bau des Golfplatzes "teilweise zerstört" und unwiderruflich verändert wurden. Und nicht zuletzt machte auch die Corona-Pandemie dem Golfplatz zu schaffen. 2020 verzeichnete die Anlage Verluste in Höhe von 1,2 Millionen US-Dollar (1,09 Mio. Euro), 2021 Verluste von 873.000 US-Dollar (804.000 Euro).
Die Millionenklage
Und es kommt noch dicker: Der Golfclub in Aberdeenshire wurde im Zuge einer im September 2022 von der New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James (vorne im Bild) eingereichten Zivilklage genauer unter die Lupe genommen. Donald Trump und einigen Familienmitgliedern wird darin vorgeworfen, den Firmenwert der Trump Organization manipuliert zu haben, um Steuervorteile und günstigere Kreditkonditionen zu erhalten.
Der Wert der Golfanlage wurde 2014 auf 327 Mio. US-Dollar (301 Mio. Euro) geschätzt. In der Klage wird jedoch behauptet, dass 80 Prozent des Wertes auf der Annahme beruhten, dass auf dem Gelände 2.500 Wohnungen gebaut werden könnten, obwohl die Baugenehmigung nur für weniger als 1.500 Wohneinheiten erteilt worden war. Nun bleibt abzuwarten, wie der Rechtsstreit ausgeht.
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